Mittwoch. In Ferrara bedecktes Wetter. Zuerst zum Espresso und dann zum Bahnhof. In dem Cafe in der Via Mazzini bin ich mittlerweile aufgestiegen vom signore zum dottore. Wenn die wüssten!
Der Weg vom Zentrum zum Bahnhof in Ferrara ist so etwa 25 Minuten lang und nicht besonders erinnernswert. Er führt durch ein Wohngebiet und dann am Fußballstadion entlang, dann vorbei an den üblichen halbseidenen Geschäften die sich halt an Bahnhöfen so ansammeln. Obwohl ich da schon bestimmt zwei Dutzend mal langgelaufen bin wird es mir doch nicht langweilig und die Zeit vergeht mir immer rasch. Es ist halt anders, interessant.
Von Ferrara gibt es eine weitestgehend eingleisige direkte Eisenbahnverbindung nach Ravenna, die vom Regionalverkehr bedient wird. In modernen elektrischen Triebwagen durch die Po-Ebene. Ziemlich nebelig. Ankunft gegen Mittag in Ravenna pünktlich.
Für Ravenna kann man sich im Internet ein Billet für die wichtigsten Kirchen kaufen, aber bei einsetzendem Regen ist sowieso außer mir niemand da. Vom Bahnhof aus zuerst zu S. Apollinare Nuovo. Wir springen mal eben 1000 Jahre zurück von dem anderen Kunstkram in Norditalien und sind im Jahr 560!
Der Weg von dort ins Stadtzentrum zeigt die übliche Regsamkeit, Schulen, Geschäfte, Büros und so weiter. Im Stadtzentrum gibt es eine alte Markthalle (mercato coperto), die immerhin versucht einen Marktbetrieb zu simulieren aber doch im Wesentlichen im Sommer von Touristen genutzt wird. Es gibt einen in die Halle frei eingebauten, ganz normalen Supermarkt und mehrere Restaurants und Cafes, alle vom gleichen Betreiber. Aber sie ist belebt, auch an einem regnerischen Tag Mitte Januar, und es ist Mittagszeit. Wir essen keine Gänse sondern:
Cappelletti in brodo di cappone
Glas Wein
Flasche Wasser
recht viele Euro
Cappelletti sind dicke Spaghetti die sehr weich gekocht werden und eine wunderbare Suppeneinlage abgeben. Und endlich, endlich die Kapaunbrühe auf die ich mich so gefreut habe. Serviert wird eine recht große Schüssel Suppe, aus der am Tisch vom Kellner der erste Suppenteller geschöpft wird und dann lässt man mich mit Schüssel und Teller alleine. Es ist für zwei weitere Teller Suppe und Nudeln in der Schüssel, und die salzige und gehaltvolle Kapaunbrühe ist ziemlich, nun, gehaltvoll. Das ist schon ein ordentlicher Kracher.
Danach bei nicht wirklich schönem Wetter weiter zu den nächsten Mosaiken. Die Innenstadt von Ravenna sieht ziemlich verwahrlost aus. Hier ist vermutlich im Sommer viel viel los und die Stadt, nicht besonders groß, hat sich auf die Touristen eingestellt. Sind die nicht da, bleibt nicht viel. Abseits der Fußgängerzone ist es geradezu abgewrackt. Wir gehen zu S. Vitale. Keiner davor, keine Schlange, kaum jemand drin.
Dass das Ding ein Kracher ist brauche ich nicht zu schreiben. Da es aber so angenehm leer ist kann man sich länger aufhalten und ein paar Perspektiven ausprobieren. Neben den irren Mosaiken ist auch die Bemalung der Kuppel und der Wände im Hauptraum sehr hübsch. Und die Architektur ist sehr raffiniert. Geht man langsam außen durch die umlaufenden Säulengänge und schaut zur Kuppel hoch ergeben sich sehr schöne und abwechslungsreiche Perspektiven. Dafür muss man sich aber frei bewegen können. Alles kein Problem heute. Draußen vor dem Mausoleum der Galla Placidia auch nicht unbedingt Schlangen.
Drinnen auch nicht.
Bei sich langsam leerendem Akku noch zum Battistero Neoniano. Auch keiner da außer mir. Der Wärter freut sich über die Abwechslung. Die Ausstattung ist von 450-475.
Das ist schon alt.
Zurück in Richtung Bahnhof mit Zwischenstop für ein Glas Wein und dann mit dem Bummelzug zurück nach Ferrara, Ankunft pünktlich. Kostet 8 Euro pro Strecke oder sowas. Abends vermutlich Bier, Wein, Käse und Wurst. Ich bin in der dritten Woche und es machen sich langsam Abnutzungserscheinungen an Füßen und Schuhwerk bemerkbar. Aber noch ist das hier nicht zu Ende!