25 Januar 2026

The People United Will Never Be Defeated

Sonntag. Los geht es mit Kultur. Im Ridotto des Theaters von Ferrara läuft das Programm "Il pianoforte contemporaneo". Es spielt Emanuele Arciuli Musik von Haydn und Rzewski. Vor den Fenstern mit Bliuck auf das Kastell weht die italienische Flagge.

Die erste Überraschung: Der Pianist betritt den Saal, freut sich über den Applaus, setzt sich an den Steinway und spielt. Das kennt man so nicht Italien. Das Publikum muss eigentlich erst belehrt werden in länglicher Rede. Hier nicht. Bravo!

Von Haydn werden die Variationen in F-Moll gegeben, komponiert zum Tode seiner Freundin Maria Anna von Genzinger. Hier braucht es flinke Finger, und Arciuli enttäuscht nicht. Nach zehn Minuten ist der Spaß vorbei.

Von Rzewski spielt er anschließend "The People United Will Never Be Defeated". Das ist kein Klavierstück, das ist Kampf. Darum geht es ja auch. Das Stück ist anspruchsvoll, für Publikum und erst recht den Pianisten. Das muss man wollen. Und dann macht es Spaß. Dem Publikum und dem Pianisten. Und es macht hier Spaß. Eine Stunde später endet es unentschieden. Der Kampf draußen ist ebenfalls bestenfalls unentschieden. Nicht zufällig ist meine Reiselektüre "Rules for Radicals" von Alinsky.

Und was spielt man nach solch einem Monster als Zugabe? Klar:

Ein Stück Pizza bei MORSO zu Mittag. Einkaufen. Blog. Wein. Käse. Ein Bier bei "Il Molo" natürlich auch.

24 Januar 2026

Später Erfolg

Samstag. Morgens um halb 10 fährt wieder ein Zug von München nach Italien. Zwar geht meine Fahrkarte nach Padua und der Zug nach Bologna, aber auf solche Details wird keine Rücksicht genommen. Pünktlich geht es mit dem Railjet vom Münchener Ostbahnhof los. Die 1. Klasse dünn besetzt. Draußen oben den ganzen Tag Nebel, unten erst grau-grün (in München), dann weiß (ab Rosenheim), und am Brenner schneit es. Aber Berge sind da nicht (zu sehen). Eine Reise durch die Niederlande wäre kaum weniger langweilig.

Die Lokomotive muss sich oben am Brenner ein wenig erholen. Dazu die Durchsage des österreichischen Zugbegleiter-Komikers (in Österreich sind alle Komiker): "Hier haben wir einen kurzen Aufenthalt, und dann fahren wir weiter." Schon eine halbe Stunde später auf der Brenner-Südseite liegt kein Schnee mehr. In Mezzocorona, welche Ironie, ist der Spaß zu Ende. 

Streckensperrung. Jetzt kann man philosophieren, wo man lieber im Zug wegen einer Streckensperrung rumsteht, in Neustadt/Aisch (gestern) oder in Mezzocorona (heute). Bringt aber auch nicht weiter. Eine gute dreiviertel Stunde später fahren wir immerhin bis Rovereto und dann weiter nach Verona. Die am Brenner wieder erholte Lokomotive fühlt sich nicht in der Lage, die Seiten (des Zuges) rasch zu wechseln, also hat der Zug in Bologna dann 60 Minuten Verspätung. Der Zug nach Ferrara am Bahnsteig gegenüber fährt ab als wir einfahren. Egal, zwanzig Minuten später fährt der nächste.

Und?

Und?

Und?

Gut 24 Stunden nach Plan erreichen wir den Hof mit Müh und Not. Tot ist (meines Wissens) niemand. Bei kühlem Wetter unternehmen die Italiener (und innen) die samstägliche Passegiata. Ich beziehe meine Wohnung, kaufe ein und schütte mir bei IL MOLO ein leckeres Craftbier ein. Der Laden ist ein Wunder. Es kann losgehen.

23 Januar 2026

Frühjahrserwachen - oder von Plan und Realität

You may ask yourself from time to time: Why am I doing this? Why cope with all these idiots? Why keep going in a world full of marketing people? Why spend your life in exchange for money? What is the purpose of being? It is for this. Ich selber, 2025

Freitag. Nach zwei Monaten ohne Italien sollte es wieder nach Ferrara gehen. Ich bin alt, da ist jeder Tag wertvoll - also versuchen wir es mal in einem Stück mit der Bahn. Der Plan war recht einfach:

Die Realität schlug bei Neustadt/Aisch zu. 

Wenigstens passt das Wetter in München, wo wir nun etwas bleiben werden. Jedenfalls bis morgen früh, wenn wieder ein Zug nach Italien fährt.

Und was nun? Na ja, wie immer. 

Mit den gleichen Folgen.  

27 November 2025

Von Ferrara nach München

Rückreise. Morgens großes Einkaufsprogramm: frische Nudeln, Käse, Wurst und was man sonst so noch braucht, wenn man nicht in Ferrara ist. Das Wetter so, wie das Wetter Ende November hier halt ist. Darum bin ich hier.

Die Zugfahrt geht zunächst mittags von Ferrara nach Bologna mit dem Regionalexpress (kein Problem), dann von Bologna mit dem ÖBB Railjet über den Brenner nach München. Abfahrt pünktlich, in Verona dann naja pünktlich. Zufahrt zum Brenner bei untergehender Sonne, die Täler liegen schon im Schatten. Am Brenner nicht mehr besonders pünktlich, in Salzburg dann so gar nicht pünktlich und in München dann schließlich enorm verspätet. Es ist fast 22 Uhr als ich mich zum Heidhausener Augustiner rette auf das Bier zur Nacht.

26 November 2025

Ferrara

Mittagessen in der Dackelosteria. Preiswert. Lustig. Der/die Italiener isst Risotto, indem er/sie den linken Arm quer vor den Teller legt, dann mit dem rechten Arm (sofern er/sie Rechtslenker/in ist) einen Löffel in das Risotto schiebt, den Kopf bis zum Risotto absenkt und eine Hebelbewegung vollführt. Das Risotto schmeckt aber auch, wenn man es isst wie in der zivilisierten Welt (die lustigerweise also nicht Italien ist).

Wir gehen ein paar Straßenecken weiter zu Schifanoia und holen uns das zivilisierte Italien zurück. Im November ist das Museum besetzt wie im Sommer - mit Wärterinnen und Wärtern, nicht mit Gästen. Ich bin der einzige Gast und in dem Salon eine gute Stunde alleine.

 
Meine Güte.

24 November 2025

Ferrara

Musik passt.

Sokolov im Theater von Ferrara. Er hat bis Mitternacht gespielt. Sieben Zugaben.

BEETHOVEN
Sonata per pianoforte n. 4 op.7 in Mi bemolle maggiore
Sei Bagatelle op. 126

BRAHMS
Quattro Ballate op. 10
Due Rapsodie op. 79 

23 November 2025

Ferrara

Wetter passt.

Ich mache: Nichts.

22 November 2025

Modena (oder besser: Ermes)

Samstag. Eine fast identische Wiederholung hiervon. Ich kommentiere die Unterschiede:

  1. Kein Nebel sondern sonnig und kalt.
  2. Der Zug von Ferrara nach Bologna war ein Seelenverkäufer der klassischen italienischen Sorte. Danach und auf der Rückfahrt modernes Material. 
  3. Eröffnung des Weihnachtsmarktes in Modena (und übrigens auch in Ferrara), die Stadt voller Leute. Auch viele deutsche und englische Touristen. Samstags bereitet man das Mittagessen mit einem Aperitiv in der Bar vor.
  4. Die Mortadella kostet immer noch 7,65 pro Kilo (das ist kein Unterschied). 

Von der Hauptsache gibt es dann auch ein neues Bild (es ist wieder der gleiche Tisch wie im Januar):

Ich esse in der zweiten Schicht. Die erste Schicht wird um 12 Uhr eingelassen und gegen 13:30 Uhr widerwillig rausgeworfen. Wie Italiener halt so sind lungern sie noch länger vor dem Restaurant herum, trinken den restlichen Wein aus und albern sich einen ab. Währenddessen steht die zweite Schicht Schlange und wird ein paar Minuten nach halb zwei eingelassen. Alle Tische sind reserviert, die Namen werden nacheinander ausgerufen damit es sich in der Trattoria nicht staut. Ein reservierter Tisch für zwei Personen blieb leer, da haben zwei aber was verpasst. Alle Gäste sind Italiener/innen außer mir. Man spricht aber grundsätzlich auch englisch.

Wir essen keine Gänse sondern:

Tortellini in brodo
Coniglio con patate
Flasche Lambrusco di Sorbara secco
Wasser
Espresso
Amaro aufs Haus
38 Euro.

Der Laden voll, die Laune aller allerbestens. Danach zu Birrlandina auf zwei Gläschen Craft Bier und ein paar Dosen von Alder gekauft. Problemlos mit zwei Zügen über Bologna zurück, Ankunft pünktlich. Die halbe Stunde vom Bahnhof zur Wohnung in Ferrara kenne ich mittlerweile auswendig, aber ich gehe den Weg immer gerne.

21 November 2025

Il cucco

Freitag. Waschtag. Wir reden nicht groß darüber, aber es geht gut mit einer modernen Automatenwaschanlage in einem Supermarkt "fuori la mura". Die Wäsche wäscht während ich einkaufe. Die Weinabteilung in dem großen Supermarkt ist besser als die der Supermärkte in der Stadt, lohnt sich also auch das. Anschließend frustrierende Telefonate in die Firma. Gegen den Frust zu Il Cucco. Der Laden wie meistens mittags unter der Woche fast leer. Egal.

Wir essen keine Gänse sondern:

Tagliatelle con ragu
Stufato di carne con polenta
Zwei Gläser guten Rotweins
Wasser
Espresso
33 Euro.

Klar sind die Nudeln hier gut, sie sind besser als anderswo in Ferrara. Das Stufato degegen war nicht gut, es war superb. Stufato: Ein Wort, das mit S + Konsonant beginnt. Das bekommt einen anderen Artikel als die anderen Worte (lo stufato).

Da ich nun schon zwei Gläser Wein intus hatte und die Wäsche so schön sauber war habe ich einfach weitergetrunken. Davon gibt es weder Bild noch Text. War aber lustig. Ich glaube, IL MOLO war auch beteiligt mit einem kleinen Cask von Verdant. Ja, genau.

20 November 2025

Parma

Donnerstag. Bedeckt und kühl. Nach dem Espresso rasch mit dem Zug über Bologna nach Modena. Dort Mittagessen in der Markthalle (gute kleine Platte mit Schinken und Salami, dann mittelmäßige Tagliatelle con ragu). Weiter nach Parma, es ist schon fast 3 Uhr. Dom noch da.

Battistero auch. 

 

Dann Zufallsfind im Rathaus von Parma: Eine Ausstellung des Futuristen Balla. Etwa 30 Bilder, schön gestaltet. Balla steigerte sich im Laufe der 1920er Jahre in den Futurismus und brach dann etwa 1925 abrupt ab. Er malte dann natürlich immer noch gut, aber völlig anders.

 
 
 
Zug zurück pünktlich. Bier, Brot, Bett. Es ist kalt geworden aber in der Wohnung läuft die Heizung.