Samstag. Morgens um halb 10 fährt wieder ein Zug von München nach Italien. Zwar geht meine Fahrkarte nach Padua und der Zug nach Bologna, aber auf solche Details wird keine Rücksicht genommen. Pünktlich geht es mit dem Railjet vom Münchener Ostbahnhof los. Die 1. Klasse dünn besetzt. Draußen oben den ganzen Tag Nebel, unten erst grau-grün (in München), dann weiß (ab Rosenheim), und am Brenner schneit es. Aber Berge sind da nicht (zu sehen). Eine Reise durch die Niederlande wäre kaum weniger langweilig.
Die Lokomotive muss sich oben am Brenner ein wenig erholen. Dazu die Durchsage des österreichischen Zugbegleiter-Komikers (in Österreich sind alle Komiker): "Hier haben wir einen kurzen Aufenthalt, und dann fahren wir weiter." Schon eine halbe Stunde später auf der Brenner-Südseite liegt kein Schnee mehr. In Mezzocorona, welche Ironie, ist der Spaß zu Ende.
Streckensperrung. Jetzt kann man philosophieren, wo man lieber im Zug wegen einer Streckensperrung rumsteht, in Neustadt/Aisch (gestern) oder in Mezzocorona (heute). Bringt aber auch nicht weiter. Eine gute dreiviertel Stunde später fahren wir immerhin bis Rovereto und dann weiter nach Verona. Die am Brenner wieder erholte Lokomotive fühlt sich nicht in der Lage, die Seiten (des Zuges) rasch zu wechseln, also hat der Zug in Bologna dann 60 Minuten Verspätung. Der Zug nach Ferrara am Bahnsteig gegenüber fährt ab als wir einfahren. Egal, zwanzig Minuten später fährt der nächste.
Und?
Und?
Und?
Gut 24 Stunden nach Plan erreichen wir den Hof mit Müh und Not. Tot ist (meines Wissens) niemand. Bei kühlem Wetter unternehmen die Italiener (und innen) die samstägliche Passegiata. Ich beziehe meine Wohnung, kaufe ein und schütte mir bei IL MOLO ein leckeres Craftbier ein. Der Laden ist ein Wunder. Es kann losgehen.


