08 Januar 2025

Ermes

Morgens über die Autobahn zum Flughafen in Bologna, den Fiat Panda wieder abgeben. 48 Stunden und 650 Kilometer. Espresso im Flughafen, dann mit dem Schnellbus nach Modena. Das Wetter vielversprechend.

Der Apennin. Doch, wirklich.
 
Von einem nebligen Tag in Modena kann man sich viel versprechen. Antonio Delfini, ein in Modena 1907 geborener und dort gelebter Schriftsteller, veröffentlichte in seinem Erzählband "Il recordo della Basca" (das einzige Buch von ihm, das ins Deutsche übersetzt wurde) die Geschichte "Der Schmuggler" über einen Glücksspieler und Schmuggler im Modena der 1930er Jahre. Hier spielt der modenese Nebel eine zentrale Rolle und eine sehr schöne Szene passiert nachts in einer Bar im Winter unter den Arkaden in Modena, wo der Nebel so dicht ist dass der Lastwagen des Schmugglers erst aus dem Nebel auftaucht als er direkt vor der Bar zum stehen kommt.

Das ganze Buch ist voller melancholischer Erzählungen eines Schriftstellers, der älter wird und gerne jünger wäre. Auch in Modena wird er nicht überall geschätzt. In Deutschland kennt ihn niemand.

Wie auch immer, der Nebel lichtet sich (leider) und in Modena ist es ganz freundlich. Spaziergang zum Zentrum und zum Dom. Der Dom ist von außen ganz hübsch, innen wunderbarste Romanik mit Ausstattung aus dem 14. Jahrhundert.



Im Zentrum von Modena gibt es außerdem eine Markthalle, die ohne Weiteres von der Piazza XX Settembre so nicht als solche zu erkennen ist weil sich der kleine Eingang von dort im Erdgeschoss eines riesigen Palazzos befindet. Von der Via Luigi Albinetti aus ist sie leicht zu finden. Das ist eine richtige funktionierende Markthalle: In der Mitte des einen großen, von oben mit Fenstern beleuchteten Raumes die Stände mit Obst und Gemüse, rundherum in großen Nischen die Fleischer und Metzger, ein oder zwei Restaurants mit Tischen in der Halle, und in den Gängen zu den seitlichen Eingängen gruppiert die weiteren Stände (Käse, Bäcker, Blumen und so weiter). Dazwischen eine paar Stände, um eine Kleinigkeit zu essen. Ziemliches Gewusel (nicht auf dem Bild, hat aber auch gedauert).


Solche Markthallen gibt es im Süden ja öfters, zumindest in den größeren Städten scheinen sie abe rmehr den Touristen als den Einheimischen zu dienen. Barcelona fällt ein als Beispiel. Aber in Valencia habe ich in Vororten in wunderbaren Markthallen eingekauft, und auch hier in Modena fülle ich meinen Vorrat an Mortadella (am Stück, ohne Pistazien, 7,65 Euro/Kilogramm) auf. In Deutschland kenne ich nicht mehr viele Städte mit funktionierenden Markthallen, Hannover und Frankfurt kommen mir ins Gedächtnis, wobei diese beiden auch schon mehr auf Gastronomie als auf Lebensmittel ausgerichtet sind.

Aber für einen Dom und eine Markthalle fährt man doch nicht nach Modena? Ab zu Ermes zum Mittagessen.


Ermes lebt schon seit ein paar Jahren nicht mehr und ein Team aus zwei Köchinnen und zwei Kellnern führt jetzt Regie in seinem Laden. Publikum und Stimmung sind wie immer. Es gibt jeweils vier primi und secondi, und es werden erst die etwa 40 Gäste durchgefragt und dann wird gekocht. Folglich kommen die primi auch nicht alle gleichzeitig oder in Reihenfolge der Gäste sondern sortiert nach Gericht - erst die Nudeln mit Ragu, dann die mit Erbsen und so weiter. Ich gerate außerdem heute offenbar in das Neujahrsfest des Freundeskreises von Ermes und der Osteria, die Lambrusco trinken und romagnole Lieder absingen und vorher den Text der Lieder auf Zetteln an die Gäste verteilen, damit die auch mitsingen können. Die niedliche junge Frau, die zufällig auf dem Bild ist und mit ihrem Freund zu Mittag isst, braucht die Zettel nicht, sie kennt die Lieder alle auswendig. Wir essen keine Gänse sondern:

Pasta e fagioli
Ossobuco con piselli
Flasche Lambrusco di Sorbara secco (edizione Ermes)
Wasser
Espresso
Amaro aufs Haus
37 Euro.

Das kann dann schon mal zwei Stunden dauern. Sehr gut. Dann mit dem Zug zuerst nach Bologna und dann nach Ferrara. Zugfahren in Italien ist, zumindest mit Regionalzügen, billig - die Fahrt von Modena nach Ferrara kostet 8 Euro. Man kauft die Fahrkarten per App. Die Züge sind wie in Deutschland modern und dreckig, aber sie sind pünktlich - man darf sich wundern. Der Zug wird auch von vorne bis hinten von Polizisten durchkämmt, die jeden Ausweis sehen wollen und diese scannen. Offenbar ist das normal.

Am frühen Abend bin ich wieder in Ferrara und auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause geht es direkt durch die Altstadt. Dort gibt es neuerdings eine gute Kneipe mit italienischen, britischen und spanischen Craftbieren, also dauert der Heimweg etwas länger. Nach dem ganzen Gefutter und Getrinke nur ein Stück Brot und Käse zu Abend.
 


Also für mich fühlt sich das ziemlich nach Entspannung an.

07 Januar 2025

Topo freddo

Tag zwei mit dem Fiat Panda, also früh raus bei 3 Grad, Nebel und Regen. Das Ziel der Reise heute ist Mantua (Mantova), das von Ferrara aus nach der Meinung von Google Maps so zu erreichen ist: Autobahn nach Süden bis Bologna, Autobahn nach Westen bis Modena, Autobahn nach Norden bis Mantua. Woran erinnert mich das?

There is no direct phone service to East Berlin. You have to call Stockholm, from there go through Warsaw to Leipzig, then to East Berlin. And then nine times out of 10 you get the wrong number. Schlemmer, 1961.
 
 
Dabei muss das nicht so ein. Es ist ja nicht so, dass zwischen Ferrara und Mantua keine historischen Banden bestünden. Isabella d'Este, die Tochter des ferrareser Fürsten Ercole I d'Este, war schon 1480 im Alter von sechs Jahren an Francesco II Gonzaga, den Sohn des in Mantua herrschenden Federico I Gonzaga versprochen worden, den sie 1490 dann auch heiratete. Sie etablierte sich in Mantua als Gönnerin und Förderin der Künste, auch als Schatten-Regierungschefin, dann als Regierungschefin und schließlich als die "prima donna del mondo" ("First Lady" der Welt). Zwischen Mantua und Ferrara sind die Beziehungen in der Folge nicht immer die besten, als Lucrezia Borgia als Frau der Bruders von Isabella in Ferrara auftaucht und eine längere Affaire mit Isabellas Mann Francesco hat. Man mag also durchaus nicht selten zwischen Ferrara und Mantua hin- und hergefahren sein, aber man hat ein Boot auf dem Po genommen und nicht die Staatsstraße 482. Das Buch der ausgewiesenenen Italienkennerin Friedrike Hausmann über Lucrezia Borgia erzählt diese und viele andere Geschichte(n): https://www.chbeck.de/hausmann-lucrezia-borgia/product/26144770.

Die schlussendlich vom Routenplaner vorgeschlagene Strecke ist diese hier:
 
 
Man braucht 90 Minuten für 90 Kilometer und die Straßen sind furchtbar. Es beginnt mit einer Fahrt durch die industriellen Vororte von Ferrara, dann über den Po und sofort links über mehrere Kilometer auf einer schmalen schlechten Straße auf dem Po-Deich entlang. Landeinwärts liegen kleine Dörfer, wie sie aus der Eingangssequenz der Filme von "Don Camillo e l'onorevole Peppone" nur zu bekannt sind: Niedrige geduckte Häuser, ein Kirche von gigantischen Ausmaßen und ein Glockenturm. Dieser Deich ist nicht wirklich alt, überall in Ferrara findet man Bücher mit Photos von Überschwemmungen des Pos in den 50er Jahren. Vor 60 oder 70 Jahren wurde man in den Dörfern hier noch regelmäßig überschwemmt, ein Entwicklungsland (sowas gibt es heute in Europa nur noch in Großbritannien, kein Entwicklungsland sondern ein "undeveloping country").
 
In Boaria Gilliola verlasse ich den Damm um schlussendlich auf die Hauptstraße zu kommen. Direkt am Deich treffe ich dabei eine braun-schwarz getigerte Katze, die hier im Nebel und Regen auf Mäuse geht. Ich stelle den Fiat Panda zu Seite und wir unterhalten uns ein wenig.

Neulich saß ich vor dem kleinen Theaterchen „Ambassadeurs" in den Champs-Elysées, unter grünen Bäumen. Um meine Bank strich mehrere Male eine große, gut genährte Katze, grau mit schwarzen Flecken. Wir kamen so ins Gespräch – sie fragte mich, wieviel Uhr es sei –, und da stellte sich heraus, daß sie aus Insterburg stammte. Nun kenne ich Insterburg sehr genau – ich habe da seinerzeit gedient –, und wir waren gleich im richtigen Fahrwasser. Sie kannte erstaunlich viele Leute, und wir hatten auch gemeinsame Bekannte: eine Verwandte von ihr war bei meinem Feldwebel Lemke Katze gewesen, sie wußte gut Bescheid. Meine Stammkneipe kannte sie und das Theater und die Kaserne und alle möglichen Orte. Ja, es ist sogar möglich, daß wir uns einmal gesehen hatten, im Schützenhaus zu Palmnicken, aber da hatte ich natürlich nicht so darauf geachtet. Kurt Tucholsky "Die Katz", 1928.
 
Diese hier jedenfalls bestätigt mir, dass es die Mäuse sind die sie gerade interessieren. So sieht man, dass der einen gefällt wofür der andere kein Verständnis hat - im Winter nach Ferrara fahren oder solche Ideen halt.


In Mantua zuerst Regen, dann Espresso (1,30 Euro ist mittlerweile der normale Preis), dann in den Palazzo Ducale. Der Rundgang ist nicht so ausgelegt dass das Erleben langsam gesteigert wird, er fängt mit dem Paukenschlag an: Camera degli Sposi von Mantegna.





Es ist, was ja auch so gedacht war, sehr sehr wenig los und ich kann mir alle Zeit der Welt nehmen, die wundervollen Bilder und ihre Details zu studieren. Im Sommer darf man 5 Minuten bleiben, im Winter solange man möchte. Das Muster auf der Wand links im letzten Bild wird unterhalb der Bilder in der Raumausstattung wieder aufgenommen, Und solche Sachen.
 
Das ist aber keinesfalls alles. Man darf dann durch den ganzen Palast und das Kastell, und was die Fürstens da gebaut haben ist überwältigend. Es ist heute kaum verständlich, welche unglaublichen Mengen von Geld das gekostet haben muss. Und es hört und hört nicht auf. In diesem Palast kann man Tage verbringen ohne sich zu langweilen. Ich gebe es irgendwann auf zu photographieren, es ist mehr und mehr und mehr.







Erschöpft rette ich mich zu Leoncino rosso.

Die aufmerksame Leserin erinnert, dass ich mich an meinem ersten italienischen Tag gestern mittags von deutschen Käsebroten ernährt habe. Das wiederum bedeutet, dass mich hier das erste Mittagessen in Italien seit sieben oder acht Jahren erwartet. Der Laden ist eine Hosteria, man isst bodenständig und wuselig, es ist voll, ein ständiges Kommen und Gehen erhält die Laune, alles locals. Wir essen keine Gänse sondern:

Agnoli in brodo
Spezzatino alla Mantovana (ein Kalbsgulasch, das mit Kartoffeln und Bohnen gekocht wird)
Zuppa inglese
Glas Wein
Flasche Wasser
Espresso
33 Euro.

Beim ersten Löffel agnoli standen mir Tränen in den Augen. Ich hoffe, es haben alle und es hat niemand bemerkt. Das Essen ist tadellos. Und als ich mich ins Freie rette scheint die Sonne. Also noch rasch einkaufen in der wundervollen Altstadt von Mantua, im Januar ganz ohne Touristengruppen und Amerikanerinnen. Die lokale Süßigkeit ist die sbrisolona, das ist ein Streusseltaler den man in Stücke zerbröselt zum Nachtisch isst. Er ist mit Vorsicht zu behandeln und macht bestimmt nicht dick.

 
Das ist hier eine Sbrisolona - meine eigene Sbrisolona (in memoriam).
 

Um nun die Sammlung zu vervollständigen fahre ich rasch zum Palazzo Te am Rand von Mantua. Der Fürst hat sich hier eine Sommerfrische gebaut, draußen ganz klein und bescheiden, nur eingeschossig, mit einem Park drumrum. Er wäre sicher nicht auf die Idee gekommen, eine Eisenbahnlinie direkt daran vorbeizuführen, aber ich glaube da durfte er nicht mehr mitreden.
 
 
Drinnen ebenfalls ganz bescheiden.
 



Der Knüppel liegt da nicht ohne Absicht. Die beiden jungen Frauen rechts unten im Bild sind begeistert.

Das wars. 90 Minuten Schlaglochpiste zurück, wieder im Regen. Dann Wein und Käse und Brot und Wurst in meiner Wohnung. 
 
 
Kein Spaziergang mehr wegen Regen halt. Drinnen ist es auch warm.

06 Januar 2025

A Ferrara

Sie erwähnte nicht anderes als das reine Vergnügen an unserem Wiedersehen nach so langer Zeit und die Freude darüber, allen Verboten zum Trotz gemeinsam zu genießen, was die Jahreszeit an Schönem bot. Giorgio Bassani, 1962
Ein Wiedersehen nach langer Zeit soll es tatsächlich sein. Die Verbote sind nicht mehr hygienischer sondern moralischer Art (Meloni) und daher einfacher zu ignorieren, und was die Jahreszeit (Winter) an Schönem bieten wird bleibt zu sehen. Ideen dafür gibt es jedenfalls.

Das Vorhaben also, Anfang Januar ausgerechnet für ein paar Wochen nach Ferrara zu fahren, in das kalte und neblige Ferrara der Po-Ebene. Wieso nicht in das warme und sonnige Bari? Oder nach Neapel?

Nun, Ferrara gefällt mir. Die Stadt ist alt und jung zugleich, eine Fahrrad-Stadt und keine Auto-Stadt, mit spannender Geschichte und genug Bars, ist groß genug für einen Kulturbetrieb und klein genug um nicht zu stressig zu sein und hat einem Bahnhof von dem aus man ganz schnell überall hinkommt. Die letzte nennenswerte Stadterweiterung (im heute historischen Zentrum) war 1492. Und natürlich Pasta.

Der winterliche Nebel der Po-Ebene passt außerdem ganz zu meiner inneren Verfassung. 2024 war ein Jahr, das im Management-Jargon erfolgreich heisst, mich also viel mehr als ein Jahr älter gemacht hat. Urlaub war nicht außer einer Woche in Madrid im Frühjahr (das allerdings war ein Erlebnis). Der Akku ist leer, der Verstand vernebelt, das Herz kalt. Da hilft Ruhe und Entschleunigung. Und natürlich Pasta.

Konkret habe ich ein Apartment in der Stadt Ferrara für drei Wochen am Stück gemietet. Das Haus liegt neben dem Palazzo Schifanoia. An der Straßenecke ist eine Bar, gegenüber ein kleiner Park mit Bäumen und einer Kirche dahinter und nebenan ein Pastageschäft. Die Wohnung hat ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, ein Bad, eine kleine Küche, eine gut funktionierende und leise laufende Heizung und nette Besitzer. Weiss ich alles, da war ich schon mal für ein paar Tage. Also hin.

Es fing gut an. Die Landebahn in Bologna habe ich gehört bevor ich sie gesehen habe. 5 °C und dichter Nebel.

Ja, ich höre Dich, die Frau mit dem blauen T-Shirt, an ihrem Laptop, genau, du. Ja, nach Bologna hätte man von Düsseldorf aus auch mit dem Zug fahren können statt zu fliegen. Und das ist tatsächlich eine gute Idee, denn in Deutschland fahre ich kostenlos Bahn und eine Übernachtung in München auf halber Strecke ist reizvoll. Ich wusste schlichtweg nicht, dass es regelmäßige und schnelle Verbindungen von München nach Verona und weiter nach Venedig und Bologna gibt. Dauert dann zwar von Düsseldorf aus zwei Tage statt zwei Stunden aber dafür erlebt man auch mehr. Hier zum Nachschauen: https://www.obb-italia.com/de/ab-italien/oebb-eurocity

Dann das. Zum ersten Mal seit sieben oder acht Jahren. Und es funktioniert noch.
 

Für zwei Tage habe ich mir einen Fiat Panda geliehen. Es ist gleich ganz italienisch: Die Frau von der Autovermietung ist supernett und wir erzählen uns Geschichten von Fiat Pandas (dass ich meinen roten Panda vor ein paar Jahren verschenkt habe wollte sie mir erst nicht glauben) während der Computer immer wieder abstürzt. Aber auch das bekommt man hin, indem man in langsamster Schönschrift alle Informationen in eine Kladde schreibt. Irgendwann habe ich den Autoschlüssel und die unnachahmliche Wegbeschreibung zum Parkhaus: "Hinter dem Lamborghini-Stand links."


Wenn man zwei Tage einen Panda hat fährt man dahin, wo man an den restlichen 19 Tagen ohne Panda nicht hinkommt. Außerdem macht es mir nichts aus, lange Strecken zu fahren. Und ich habe ein Käsebrot dabei. Ist ja vorher alles ausbaldowert. Es ist "Epifania" (die Betonung ist auf dem End-i), also "Heilige Drei Könige" (6. Januar), was in Italien ein Feiertag ist an dem eine Hexe den Kindern Geschenke bringt, die Familie zusammen zu Mittag isst und dann der Tannenbaum abgeschmückt wird - Epifania ist der letzte Tag des Weihnachtsfests. Nicht alle Trattorien haben auf.
 
Also auf die Autobahn der Sonne bis Cesena, dann auf die kostenlose Superstrada nach Süden in den Apennin bis Citta di Castello. Die Straße ist nicht nur kostenfrei sondern auch schmerzfrei und fast durchgehend in sehr schlechtem Zustand. Aber das rhythmische "Tock-Tock-Tock..." der Querfugen in den Autobahnbrücken erinnert mich an meine ersten Italienfahrten. 2003 hat es so getockt dass bei meinem Mercedes kurz vor Florenz der Auspuff abgerissen ist, auf der Hinreise natürlich. Kann man nachlesen. Der Panda erträgt es stoisch.

Während die Straße ansteigt zum Pass verändert sich die Landschaft. Und es wird viel wärmer, am Ende hat es 15 Grad statt 5 in Bologna. Natürlich kommen Berge, sonst würde da ja kein Pass sein, aber es sind die Berge dieser Gegend hier, die eigentlich Hügel und ineinander geschoben sind. Das sind keine Bergketten, das sind voreinander und hintereinander stehende Kulissen aus unterschiedlich hohen und breiten Hügeln. Das ist Piero-Land hier. Wer die Bilder von Piero della Francesca gesehen hat erkennt die Szenerie gleich wieder. Und die Sonne scheint auch, zumindest etwas und also mehr als bisher.

In Citta di Castello ist es tatsächlich eher ruhig. Etwas außerhalb steht ein großes schwarzes Haus.


Sicherlich einer der ungewöhnlicheren Orte der Welt. Das war eine Fabrik zum Trocknen von Tabak (ex-seccatoi del tabacco), der hier früher angebaut wurde. Deshalb außen schwarz, das fängt die Sonne besser ein. Heute ist es ein Museum des italinischen Maler-Bildhauers (hauptsächlich Malers) Burri. Da alle bei Epifania sind bin ich drinnen alleine. https://fondazioneburri.org/la-fondazione/ex-seccatoi-del-tabacco/
 



 
Wenn wir schon mal hier sind geben wir uns es auch gleich richtig. Außerdem eine schöne Gelegenheit, einen Ausflug in die Toskana zu machen. In Monterchi bin ich dann auch eine Viertelstunde alleine mit einem Bild.


In Sansepolcro auch. Sie sind alle daheim außer mir.
 


In dem Museum in Sansepolcro hängt noch ein weiteres Fresko von Piero della Francesca und ein Rest-Fresko. Das macht fünf Bilder von Piero an einem Tag, eines davon ist "das beste Bild der Welt". Auch schon 100 Jahre alt der Text:
 

The best picture in the world is painted in fresco on the wall of a room in the town hall. Some unwittingly beneficent vandal had it covered, some time after it was painted, with a thick layer of plaster, under which it lay hidden for a century or two, to be revealed at last in a state of preservation remarkably perfect for a fresco of its date. Thanks to the vandals, the visitor who now enters the Palazzo dei Conservatori at Borgo San Sepolcro finds the stupendous Resurrection almost as Piero della Francesca left it. Its clear, yet subtly sober colours shine out from the wall with scarcely impaired freshness. Damp has blotted out nothing of the design, nor dirt obscured it. We need no imagination to help us figure forth its beauty; it stands there before us in entire and actual splendour, the greatest picture in the world.

The greatest picture in the world…. You smile. The expression is ludicrous, of course. Nothing is more futile than the occupation of those connoisseurs who spend their time compiling first and second elevens of the world’s best painters, eights and fours of musicians, fifteens of poets, all-star troupes of architects and so on. Nothing is so futile because there are a great many kinds of merit and an infinite variety of human beings. Is Fra Angelico a better artist than Rubens? Such questions, you insist, are meaningless. It is all a matter of personal taste. And up to a point this is true. But there does exist, none the less, an absolute standard of artistic merit. And it is a standard which is in the last resort a moral one. Whether a work of art is good or bad depends entirely on the quality of the character which expresses itself in the work. Not that all virtuous men are good artists, nor all artists conventionally virtuous. Longfellow was a bad poet, while Beethoven’s dealings with his publishers were frankly dishonourable. But one can be dishonourable towards one’s publishers and yet preserve the kind of virtue that is necessary to a good artist. That virtue is the virtue of integrity, of honesty towards oneself. Bad art is of two sorts: that which is merely dull, stupid and incompetent, the negatively bad; and the positively bad, which is a lie and a sham. Very often the lie is so well told that almost every one is taken in by it – for a time. In the end, however, lies are always found out. Fashion changes, the public learns to look with a different focus and, where a little while ago it saw an admirable work which actually moved its emotions, it now sees a sham. In the history of the arts we find innumerable shams of this kind, once taken as genuine, now seen to be false. The very names of most of them are now forgotten. Still, a dim rumour that Ossian once was read, that Bulwer was thought a great novelist and “Festus” Bailey a mighty poet still faintly reverberates. Their counterparts are busily earning praise and money at the present day. I often wonder if I am one of them. It is impossible to know. For one can be an artistic swindler without meaning to cheat and in the teeth of the most ardent desire to be honest.

Sometimes the charlatan is also a first-rate man of genius and then you have such strange artists as Wagner and Bernini, who can turn what is false and theatrical into something almost sublime.

That it is difficult to tell the genuine from the sham is proved by the fact that enormous numbers of people have made mistakes and continue to make them. Genuineness, as I have said, always triumphs in the long run. But at any given moment the majority of people, if they do not actually prefer the sham to the real, at least like it as much, paying an indiscriminate homage to both.

And now, after this little digression, we can return to San Sepolcro and the greatest picture in the world. Great it is, absolutely great, because the man who painted it was genuinely noble as well as talented. And to me personally the most moving of pictures, because its author possessed almost more than any other painter those qualities of character which I most admire and because his purely aesthetic preoccupations are of a kind which I am by nature best fitted to understand. A natural, spontaneous and unpretentious grandeur – this is the leading quality of all Piero’s work. He is majestic without being at all strained, theatrical or hysterical – as Handel is majestic, not as Wagner. He achieves grandeur naturally with every gesture he makes, never consciously strains after it. Like Alberti, with whose architecture, as I hope to show, his painting has certain affinities, Piero seems to have been inspired by what I may call the religion of Plutarch’s Lives – which is not Christianity, but a worship of what is admirable in man. Even his technically religious pictures are paeans in praise of human dignity. And he is everywhere intellectual.

Aldous Huxley (1925), “The Best Picture”, in Along the Road, Notes and Essays of a Tourist.

 
Vor mehr als 500 Jahren ist hier die Malerei explodiert.
 
Dann einkaufen und im Dunkeln 2,5 Stunden "Tock-Tock-Tock" bis Ferrara. Der Dom ist noch da. Die Buden vom Weihnachtsmarkt auch, aber die werden gerade abgebaut. 
 
 
Brot und Käse und Wein zum Abendessen. Leider keinen Sagrantino di Montefalco für 16 Euro, der war ausverkauft.


Die sind ja auch nicht blöd die Italiener.


Es reicht noch für einen Spaziergang durch die Stadt und ein Bier im Taproom von LOST ROAD. Hier ist Stimmung trotz oder wegen Epifania. Und das Bier ist auch gut. Gute Nacht!

13 März 2017

Lavoro in italia

Das Leben kann sehr anstrengend sein.

Da ist es gut, wenn etwas Keramik in der Nähe ist und die Sinne beruhigt.

Dopo lavoro

Keramik Keramik Keramik

Three times it asked me to, and three times I refused. Well, somebody has to climb down eventually.


Der Dom hat auch Feierabend.

12 März 2017

Vado in italia



Aeroporto di Bologna


Aeroporto di Bologna

Passeggiata a Modena


Duomo a Modena