07 Februar 2026

Zurück nach Deutschland

Ich schreibe bewusst nicht "Zurück in die Heimat", denn Ferrara wird langsam zu meiner zweiten Heimat. Das hier ist der Abbinder für eine Woche in Ferrara im Februar, und für die Fahrt nach Deutschland.

Eine Woche in Ferrara, und nichts unternommen? Nun, ich habe in Ferrara gelebt. Immer wieder Mittagessen in der Dackelosteria, die mich langsam absorbiert: Maltagliati, Risotto, Tagliatelle, Salamina (sehr gefährlich). Lustige Gespräche in der Bar Royal. Craft beer bei Il Molo und LOST ROAD. Katzen streicheln bei der Keramikkünstlerin. Austausch mit einer deutschen Sprachlehrerin über das Leben in Ferrara im Sommer (nicht zu empfehlen: heiß und feucht). Arbeiten. Schlafen. Genießen.

Kultur:

Gefühl:

Leben:

Es war alles gut in Ferrara.

Die Rückfahrt mit dem Zug gestaltete sich spannend. Morgens gab es einen kleinen Anschlag von Olympia-Gegnern auf die Eisenbahn in Bologna. Folglich fuhr nichts von Bologna nach Ferrara. Das allerdings waren die Züge, die mich nach Padua bringen sollten - von wo ich mit dem Railjet nach München gebucht hatte. Es klappte schließlich knapp und nervenaufreibend. Offenbar haben die Lokführer italienischer Regionalzüge einen heißen Gas(Strom)fuß, wenn es darauf ankommt. In 10 Minuten Fahrzeit zwischen zwei Stationen eine Verspätung von 12 Minuten abzubauen, das habe ich in Deutschland noch nicht erlebt.

Lustiger Abend in München dann, wie immer. Morgen ohne Verspätung zurück nach Düsseldorf.

Den Sommer verbringe ich in Deutschland. Ferrara wieder im November.

01 Februar 2026

Ferrara

1. Februar. Sonntag. Kühl und sonnig. Die Touristensaison ist eröffnet.

Ich höre erstmals Französisch und Deutsch. Ich werde plötzlich auch auf Englisch angesprochen. Und auf der Piazza hat eine Souvenirbude aufgemacht.

Dies ist vielleicht kurz die Gelegenheit, über Ferrara zu sprechen. Meine Erlebnisse in Venedig und Mantua sind ja nichts Neues: Die Touristen kommen, und die Städte nehmen sie. Wobei Venedig in Gänze verloren ist und es in Mantua erst anfängt. Aber genau das, was die Touristen suchen, zerstören sie - auch das ist bekannt. Wobei es geschäftstüchtige Italiener sind, die ihre Städte zerstören, nicht die Touristen selber. Oder nur deren Dummheit und Ignoranz.

Was mich in Ferrara fasziniert ist, dass die Stadt sich an den Tourismus nicht angepasst hat. Natürlich stehen Schilder herum, wo es zu den Sehenswürdigkeiten geht. Aber eine prime destination für Tourismus ist Ferrara einfach nicht. Und in der Stadt finde ich kein einziges Geschäft, das sich dem Tourismus widmet. Die Stadt gehört noch den Bewohnern. Vielleicht hat es den Besuch in Mantua gebraucht, um mir das so klar zu zeigen. Selbst die Sourvenirbude in Ferrara ist fahrbar - im Januar war die einfach weggefahren. Und die Trattorien servieren ordentliche Pasta - sonst würden die Ferrareser sie vermutlich auch anzünden. Denn die gehen da rein und essen.

Mein Mittagessen mache ich selber. Gemüsebrühe kochen und Cappelletti von der Pastamanufaktur nebenan.

Ich weiss nicht, ob ich der "bessere" Tourist bin. Ich bleibe lange und kaufe in der Stadt ein wie die Bewohner auch. Ich habe keine Bedürfnisse nach Souvenirs. Ich trage allerdings auch nicht zur Stadtgesellschaft bei und wohne in einer Wohnung in einem Haus, das an Besucher vermietet wird und also nicht mehr an Einwohner von Ferrara (ich schreibe bewusst "Besucher" und nicht "Touristen", denn es sind im Moment Leute aus der Universität). Ich würde eher eine Reise absagen als in ein AirBnB zu ziehen. Vielleicht fühle ich mich in Ferrara wohl, weil ich es noch nicht kaputtgemacht habe. Wir werden sehen.